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Samstag, 22. Oktober 2022
20:00 • Erwin-Piscator-Haus • Preise A

Sächsische Bläserphilharmonie | Jakob Spahn

  • Peter Sommerer, Leitung
  • Jakob Spahn, Cello
  • Richard Wagner (1813 – 1883), Einzug der Gäste aus Tannhäuser WWV 70
  • Friedrich Gulda (1930 – 2000), Konzert für Violoncello und Blasorchester (1980)
  • Leonard Bernstein (1918 – 1990), Sinfonische Tänze aus Westside-Story
  • Dmitri Schostakowitsch (1906 – 1975), Suite für Varieté-Orchester „Jazz-Suite Nr. 2“

Die Sächsische Bläserphilharmonie ist das einzige professionelle zivile sinfonische Orchester in reiner Bläserbesetzung Deutschlands. Hervorgegangen aus dem ehemaligen „Rundfunk-Blasorchester Leipzig“ der DDR ist es seit 1995 selbständig. Alle festangestellten Musiker sind zugleich Dozenten an der Deutschen Bläserakademie, die Qualifizierungs- und Weiterbildungsmöglichkeiten für interessierte Amateur- und Berufsmusiker anbietet. Das Orchester zeichnet sich durch ein facettenreiches Klangspektrum aus, das durch die speziellen Arrangements für Bläserensemble ermöglicht wird. Sowohl zeitgenössische Originalkompositionen als auch Transkriptionen von Meisterwerken der Musikgeschichte werden werkgerecht interpretiert. Die Sächsische Bläserphilharmonie gastiert bei internationalen Festivals ebenso wie beim Bürgerfest des Bundespräsidenten.

Der österreichische Dirigent Peter Sommerer war bis Sommer 2019 Generalmusikdirektor des Landestheaters Schleswig-Holstein und ist international als Gastdirigent gefragt. So gab er zu Beginn der Spielzeit 2019/20 mit dem Orquesta Sinfónica de la Universidad de Guanajuato sein gefeiertes Debüt in Mexiko. Sein Debüt in Süd-Korea mit dem Bucheon Philharmonic Orchestra war der Beginn seiner regelmäßigen Tätigkeit in Asien. Darüber hinaus führten ihn Einladungen u. a. zum Nationalen Radiosinfonieorchester Bukarest, den Nürnberger Symphonikern sowie weiteren Orchestern in Europa. — Peter Sommerer übernahm nach einigen Gastdirigaten im Januar 2021 die Stelle des Chefdirgenten und künstlerischen Leiters der Sächsischen Bläserphilharmonie und des künstlerischen Leiters der Deutschen Bläserakademie.

Jakob Spahn hat das Marburger Publikum mehrfach begeistert – neben einem Beethoven-Abend mit Nicolas Rimmer war er zuletzt mit einem Soloprogramm zum „Kleinen Konzertfest“ des Konzertvereins am Beginn der Spielzeit 2018/2019 zu hören. Er ist seit 2011 Solocellist im Bayrischen Staatsorchester und war Preisträger zahlreicher Wettbewerbe (unter anderem des ARD-Wettbewerbs München) und Stipendiat der Karajan-Akademie der Berliner Philharmoniker. Als Kammermusikpartner renommierter Künstlern wie Wolfgang Meyer, Leonidas Kavakos, Heinz Holliger, Mitsuko Uchida oder Lang Lang gefragt, konzertiert er als Solist mit Orchestern wie dem Wiener Concert-Verein, der Russischen Kammerphilharmonie Sankt Petersburg, der Südwestdeutschen Philharmonie Konstanz oder dem Bayerischen Staatsorchester. — Als Professor lehrt er an der Musikhochschule in Nürnberg und gibt regelmäßig Meisterkurse bei Festivals wie der „Academie Internationale de Nice“, der Sommerlichen Musikakademie Hamburg und der Celloakademie Rutesheim.

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Die Sächsische Bläserphilharmonie widmet sich heute Abend Werken, deren Komponisten nichts von der strikten Trennung zwischen E- und U-Musik hielten. Einzige Ausnahme ist der Komponist des Eröffnungsstücks, Richard Wagner. Von ihm erklingt die Instrumentalversion jenes Chores, mit dem er in seiner 1845 uraufgeführten Oper „Tannhäuser“ den „Sängerkrieg auf Wartburg“, wie es im Untertitel heißt, beginnen lässt.

Ob die Gäste dieses Ereignisses Gefallen gefunden hätten an dem folgenden Stück? Wohl kaum, denn Friedrich Gulda, der begnadete Beethoven-, Mozart- und Schubert-Interpret, der das Klavier auch gerne jazzig erklingen ließ und sich zudem als Sänger hervortat, kennt in seinem 1981 vom Widmungsträger Heinrich Schiff in Wien uraufgeführten Konzert für Violoncello und Blasorchester keine Grenzen. Es sei „Musik zum Ausflippen“ stand unlängst als Überschrift über einer CD-Rezension im Deutschlandfunk. Funk-Rock, alpenländische Folklore, Jazz und romantischer Überschwang sind die Zutaten zu einem Werk, dessen „Finale alla Marcia“ geradewegs ins Bierzelt führt.

Wie Gulda feierte auch der Dirigent Leonard Bernstein trotz seiner zahlreichen Eigenschöpfungen vor allem als nachschöpfender Künstler Erfolge. Unsterblich als Komponist ist „Lenny“, wie ihn seine Freunde nannten, vor allem mit dem Musical „West Side Story“ geworden. Aus der 1957 in New York uraufgeführten und auch dort spielenden modernen „Romeo und Julia“-Version hat Bernstein drei Jahre später neun Stücke zu einer Suite für Orchester zusammengestellt – Titel: „Symphonic Dances from West Side Story“.

Um Tanz geht es auch in der achtteiligen „Suite für Varieté-Orchester“, die Dmitri Schostakowitsch in der zweiten Hälfte der 1950er-Jahre komponiert hat. Er hat dabei auf frühere Werke zurückgegriffen, die er für Ballett und Film geschaffen hatte. Und so verwundert es auch nicht, dass das populärste Stück der „Jazz-Suite Nr. 2“, der „Walzer Nr. 2“, in den Soundtrack von Stanley Kubricks „Eyes Wide Shut“ (1999) Einzug fand.