Marburger Konzertverein

Der Marburger Konzertverein

Der Marburger Konzertverein e. V. ist ein gemeinnütziger Verein, der jährlich von Oktober bis April des folgenden Jahres Abonnementkonzerte mit „klassischer“ Musik aus dem 17. bis 21. Jahrhundert veranstaltet.

Gegründet 1786 – drei Jahre vor der Französischen Revolution – unter dem Namen „Gesellschaft des Liebhaber-Concerts“ blickt er als älteste kulturelle Vereinigung Marburgs und eine der ältesten ihrer Art überhaupt auf eine bereits 230-jährige Geschichte zurück. Seine Konzerte werden jährlich von circa 6.000 Musikliebhabern aus Marburg und Umgebung besucht, vor Jahren auch bis zu 8.000 Besucher. Damit gehört der Marburger Konzertverein zu den wichtigsten Kulturträgern unserer Stadt. Ein Zeichen dafür ist die Förderung, die er nicht nur von der Stadt Marburg erfährt, die ihm vielmehr auch durch den Landkreis und das Hessische Ministerium für Wissenschaft und Kunst, sowie von Privatpersonen und Unternehmen aus dem Marburger Raum zuteil wird.

Partner

Er erfüllt damit seit Jahrzehnten die Aufgaben der Versorgung seines Publikums aus dem Marburger und aus einem weit darüber hinausgehenden Einzugsbereich mit professionell auf internationalem Niveau ausgeführten Konzerten. Einzelne Konzertbesucher kommen von sehr weit her, sogar aus dem benachbarten Ausland.

Struktur des Vereins

Der Verein hat circa 100 Mitglieder. Er wird geführt von einem etwa sechsköpfigen Vorstand einschließlich eines Geschäftsführers und unterstützt von einem Künstlerischen Beirat, dem fünf Mitglieder angehören. Alle Mitglieder dieser Gremien arbeiten ehrenamtlich. Sie betreuen arbeitsteilig die Aufgaben der Konzertorganisation wie Programmgestaltung, Korrespondenz mit Agenturen und Künstlern, Verwaltung der Finanzen und Kontakte zu den öffentlichen und privaten Geldgebern sowie die PR-Arbeit. Der Geschäftsführer verantwortet den organisatorischen Ablauf der Konzerte am Konzertabend und ist zuständig für Kartenverkauf, Abonnements und Betreuung der Abonnenten und der Vereinsmitglieder.

Satzung

Geschichte

Die Wurzeln des Marburger Konzertvereins reichen zurück ins ausgehende 18. Jahrhundert, als sich der Stand der Bürger die geschlossene Veranstaltung weltlicher Konzertmusik erschlossen hat. Dies war bis dato ein Privileg der Aristokratie gewesen. Die Gründung der „Gesellschaft des Liebhaber-Concerts zu Marburg“ am 4. Februar 1786 ist eine der frühesten ihrer Art in ganz Mitteleuropa. Die Gesellschaft lud reisende Musiker zu Konzertveranstaltungen in wechselnde Salons Marburger Bürger ein. Der jeweilige Gastgegeber sorgte für das leibliche Wohl der Gäste und der Musiker. Die „Gesellschaft“ stellte das Notenmaterial zur Verfügung, welches die Musiker oft „prima vista“ auszuführen hatten. Dieses regelmäßige Ritual setzte sich bis in die dreißiger Jahre des 19. Jahrhunderts fort.

In der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts fiel der musikalisch ausübende Part zunehmend in die Hände der entstandenen Ensembles der Philipps Universität, Orchester und Chor, unter der Leitung des Universitätsmusikdirektors, die sich des Notenmaterials der „Gesellschaft“ weiterhin bedienen konnten. Konzerte fanden in größeren Sälen der Universität, seit Beginn des 20. Jahrhunderts in der Aula und in der Universitätskirche statt.

Mit Inkrafttreten des BGB am 1.1.1900 wurde die „Gesellschaft“ in einen rechtsfähigen Verein unter seinem heutigen Namen Marburger Konzertverein e. V. umgewandelt.

Zu dieser Zeit führte der damalige Vorsitzende, der Universiätsmusikdirektor Gustav Jenner, ein Schüler von Johannes Brahms, das Marburger Konzertleben in eine herausragende Höhe. Joseph Joachim, Alexander Siloti, Teresa Carreno, Karl Flesch und weitere weltberühmte Musiker der Zeit traten in Marburg auf. Nach dem Ersten Weltkrieg hieran wieder anzuknüpfen, war nicht leicht. Doch der Marburger Konzertverein lebte fort, bis 1935 NSDAP-Mitglieder ihn systematisch unterwanderten, ihn zu einem Veranstalter von Freiluftmusikaufführungen umfunktionieren wollten und die bisherigen Organisatoren sich resigniert zurückzogen.

Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde unter der Führung der amerikanischen Besatzungsmacht zunächst ein Sinfonieorchester, die Marburger Philharmonie gegründet, die regelmäßige Konzerte gab. Wiederum stellte der Marburger Konzertverein sein Notenmaterial zur Verfügung. Die Marburger Philharmonie konnte sich aber nicht lange halten.

Danach gab es in Marburg keine regelmäßigen Konzertaufführungen mehr, bis 1956 die Ärzte Dr. Wilhelm Schuchard und Dr. Hans-Hermann Marx im Zusammenwirken mit dem Marburger Oberbürgermeister und Kulturdezernenten Dr. Wilhelm Schilling die Wiedergründung des Marburger Konzertvereins auf den Weg brachten. Seither ist der Marburger Konzertverein als der einzige Veranstalter einer jährlichen Reihe von Abonnementkonzerten aus dem Marburger Musikleben nicht mehr wegzudenken und genießt weit überregionales Ansehen.

Literatur